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Bericht von der Churchnight

Am 31. Oktober 2017 kamen Christen aus 17 Gemeinden aus Köln und Umgebung zusammen zu einer 12-stündigen Worship- und Gebetszeit unter dem Motto „Wir sind eins – Churchnight 2017“. Die zwei Feiertage in NRW boten sich geradezu an, von 19 Uhr abends bis 7 Uhr morgens Gott zu feiern und anzubeten.

Ich war schon früh in die Planungen für diesen Tag mit involviert, da mein Bruder Kenneth der Initiator dieser Nacht war. 7 Gemeinden beteiligten sich und folgten dem Aufruf, mitzumachen. Da ich erst seit einem guten Jahr wieder damit angefangen habe, Klavier zu spielen und daher noch nicht so lange überhaupt Lobpreis leite, habe ich mich bereit erklärt für eine „Nachtschicht“, in der Hoffnung, dass es dann nicht so schlimm ist, wenn ich total abstinke alleine mit Mikro am Klavier.

Im Vorfeld hatte ich also an mich selbst kaum Erwartungen, Kenneth ermutigte uns dann auch nochmal am Tag selber, alles entspannt angehen zu lassen. Hauptsächlich habe ich mich darüber gefreut, mit so vielen „Geschwistern im Herrn“ gemeinsam Worship zu machen über einen so langen Zeitraum.

Kurz bevor es losging, versammelten wir uns alle im Bandraum, um zu beten. Schon dort war eine ganz besondere Atmosphäre spürbar und auch der Inhalt der Gebete stimmte merklich überein. Einheit.

Los ging es um 19 Uhr wie geplant mit der „Hausband“ von KölnWest. Natürlich betonten die ersten beiden Songs die Einheit unter uns, „Make Us One“ und „Wir sind eins“. Das passte einfach. Zur Begrüßung standen Andreas vom Gebetshaus Köln und Kenneth als Vertreter der EFG KölnWest vorne. Andreas erwähnte, dass es in seinen mittlerweile 14 Jahren Christsein keine solche Veranstaltung in Köln gegeben hätte, bei der so viele Menschen gemeinsam teilgenommen hätten und die von so vielen Gemeinden gemeinsam gestaltet wurde. Es war höchste Zeit dafür.

Die nächsten beiden Stunden bestritten dann insgesamt drei Formationen aus der Köln CityChurch und dabei ging es richtig gut ab, tiefgründige Songs aber auch Party-Worship, vor allem zum Abschluss. Zwischendurch bin ich auch mal ins Foyer gegangen und habe einfach die Atmosphäre auf mich wirken lassen, mit Leuten geredet und neue Kontakte geknüpft. Zunächst hatte ich mir noch vorgenommen, meine Stimme nicht zu stark beanspruchen zu wollen, um dann nicht nachher um 2 Uhr bei meiner Zeit heiser zu sein. Aber viele Songs haben einfach danach verlangt, Jesus nicht nur in Gedanken zu ehren.

Mittlerweile war es weit nach 22 Uhr und von Erschöpfung noch keine Spur. Nach der KCC kam dann eine Band aus dem ChristusCentrum Troisdorf auf die Bühne, die man getrost als „The Tschersich Family“ bezeichnen kann: Mein Vater, meine Mutter, meine Schwester, mein Bruder, meine Schwägerin und noch zwei Gastmusiker, die nicht leiblich mit mir verwandt sind. 😉 Auch diese Zeit war sehr innig und ich gab spätestens zu diesem Zeitpunkt auf, nicht mitsingen zu wollen, um später nicht heiser zu sein. Ich musste da einfach lauthals mitmachen!

Danach kam eine beeindruckende Combo vom Gebetshaus Köln auf die Bühne und brachte mit wenigen, aber äußerst ausdrucksstarken Songs nochmal eine Verdichtung der Gegenwart Gottes, so jedenfalls empfand ich es. Die zwei Geigen, Querflöte, Cello, E-Bass, E-Piano, Gitarre, Schlagzeug, usw. harmonierten erstaunlich gut und die Frontfrau intonierte mit ihrer enormen Stimme jedes Lied leidenschaftlich.

Mittlerweile wurde es Mitternacht und es waren an der Reihe: Eine Gruppe katholischer Geschwister aus dem Gebetskreis von St. Kolumba. Neben der Tatsache, dass diese Gruppierung mit am charismatischsten war, faszinierte mich vor allem der Brückenschlag, dass wir zusammen mit ihnen am selben Tag im selben Raum denselben Gott anbeteten und das am 500. Jahrestags der Reformation, die so viel Spaltung erzeugte. Da wurde das Motto „Wir sind eins“ so richtig erlebbar für mich!

Ja und dann näherte sich die Uhr der 2 Uhr-Marke und ich war an der Reihe. Im Vorfeld hatte ich gesagt, dass ich schon glücklich sei, wenn zu meinem Set noch 20 Leute da seien zu so fortgeschrittener Stunde. Es waren dann circa doppelt so viele. Ich setzte mich also ans E-Piano, bekam ein Mikro herangestellt und dann ging es auch schon los. Zuvor hatte ich mich vielleicht 10 Minuten mit diesem bestimmten Modell auseinander setzen können und so war der erste Song auch noch von einem synthetischen Streicherensemble unterlegt, bis ich in der geplanten Pause nach dem ersten Song mich vorstellte und erstmal das Gerät richtig konfigurierte. Danach hab ich einfach losgelegt und hatte eine gute Zeit mit dem Heiligen Geist. Da ich mich auf keinen Fall blamieren wollte, klebten meine Augen meistens am Liedblatt und nur vereinzelt nahm ich wahr, was im Raum passierte. Es soll wohl ganz gut gewesen sein. 😉 Bei den letzten drei oder vier Songs kam dann so richtig die Gegenwart Gottes auf den tapferen „Rest“, was mir auf der Bühne auch nicht entging. Das Feedback hinterher hat mich jedenfalls total überwältigt und mir gezeigt, dass es nicht unbedingt um perfekte Technik geht oder eine gut zusammengestellte Band. Gott ist da und wirkt auch durch einen bescheidenen E-Pianisten, der seit gerade mal einem Jahr ernsthaft übt. Es war mir eine große Ehre und Freude, das zu erleben.

Danach war für mich nur noch Party angesagt und mittlerweile war ich so enthusiastisch, dass ich beschloss, auch bis 7 Uhr morgens durchzuhalten. Zumal ich ja zwischen 4 und 5 Uhr auch noch Katrin gesanglich begleiten sollte. 🙂 Aber gerade diese letzten Stunden waren sehr intim und berührend, als Chris um ca. halb sechs seinen nach eigenen Angaben „Lieblingsworshipsong, seit ich einen C-Dur-Akkord spielen kann“ anfing, nämlich „I love You, Lord“, strömten bei mir die Tränen. Total bewegend!

Beendet wurde die Nacht dann von einer Gruppe junger Musiker aus KölnWest, die einige der Songs aus dieser Nacht auch noch einmal aufgriffen. Mittlerweile gewann aber mehr und mehr die Müdigkeit und mir blieb nur noch, zu „soaken“ (Gottes Gegenwart regelrecht aufzusaugen). Aber das Wunder schlechthin: Meine Stimme hat durchgehalten und das nicht nur bis ich nicht mehr auf der Bühne stand, sondern die gesamten 12 Stunden! Yeah!

Den Abschluss bildete ein gemeinsames Frühstück um 7 Uhr und dann fuhr ich nach Hause mit einem bis zum Rand gefüllten Herzen und dem unbedingten Wunsch, so etwas bald nochmal mitgestalten zu wollen.

Allen, die nicht bis zum Ende durchgehalten haben kann ich nur sagen: Schade! Ihr habt viel verpasst! 🙂

Danke an Kenneth für die Organisation, danke an seine Frau Judith, die ihn dabei unterstützt und freigesetzt hat, danke an meine Frau Fülke für ihre Unterstützung, danke an alle teilnehmenden Worship-Teams aus den verschiedenen Gemeinden und danke Gott, dass du so ein genialer, liebevoller, stürmischer, leidenschaftlicher, sanfter, humorvoller Gott bist, der es liebt, wenn seine Nachfolger ihm gemeinsam die Ehre geben und ihn anbeten!

Euer Jörn

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